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Immer auf Tour – Veranstaltungstechniker setzen Bands in Szene Von Sabine Meuter, dpa

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Heute Düsseldorf, morgen Berlin und nächste Woche in Stuttgart: Wer
als Veranstaltungstechniker arbeitet, kommt viel herum. Langweilig
wird es in dem Job so schnell nicht. Dafür muss man häufig dann
arbeiten, wenn alle anderen freihaben.

Nürnberg (dpa/tmn) – Es ist ein Kult-Festival, das jährlich Tausende
von Menschen anlockt. Auch Marc Schütz. Doch der 22-Jährige war nicht
zum Feiern beim Open-Air-Festival «Rock im Park» in Nürnberg. Er hat
dort gearbeitet. Schütz ist bei der Firma satis&fy an deren Standort
Werne in Nordrhein-Westfalen im zweiten Ausbildungsjahr als
Veranstaltungstechniker. Er baut Tonanlagen und Lichtpulte auf,
verlegt Kabel, hängt Lampen und Scheinwerfer ein. So schafft er die
technischen Voraussetzungen dafür, dass die Bands auf der Bühne im
richtigen Licht erscheinen und ihr Sound gut zu hören ist.

«Das alles ist echte Knochenarbeit, aber mit einem hohen Spaßfaktor»,
sagt Schütz. Neben Lichtgestaltung, Beschallung und Stromversorgung
kümmern sich Veranstaltungstechniker um den Aufbau von Bühnen und
Videoleinwänden. «Da sind zum Teil sehr schwere Teile zu stemmen und
zu montieren», erklärt der Azubi. Doch bevor es soweit ist, muss die
Veranstaltung technisch bis ins kleinste Detail ausgetüftelt werden.
Los geht es mit den Planungen oft ein halbes Jahr vorher. Dann müssen
Veranstaltungstechniker Genehmigungen einholen, An- und Abfahrtswege
für Polizei und Rettungsdienste planen sowie sanitäre Einrichtungen
ordern.

Schütz lernt von der Pike auf, was er als Veranstaltungstechniker tun
muss, damit «Rock im Park», aber auch Opern, Kongresse, Messen und
Fernsehproduktionen nicht zum Reinfall werden – weil Licht und Ton
nicht stimmen. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Jugendliche lernen
im Betrieb, bei Veranstaltungen vor Ort sowie an der Berufsschule.
«Wer sich für den Beruf entscheidet, muss körperlich belastbar,
schwindelfrei und bereit sein, abends und am Wochenende zu arbeiten»,
sagt Heike Krämer vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).
Außerdem braucht es gute Englisch-Kenntnisse, da
Veranstaltungstechniker oft internationale Produktionen betreuen.

Da sich Veranstaltungstechniker ständig untereinander abstimmen
müssen, ist Teamfähigkeit gefragt. «Sie müssen aber auch ein
ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein haben, damit ein Event
technisch zum Erfolg wird», erklärt Randell Greenlee vom Verband für
Medien- und Veranstaltungstechnik (VPLT) in Langenhagen bei Hannover.
Nach seinen Angaben starten pro Jahr über 1100 Menschen eine
Ausbildung zum Veranstaltungstechniker, die meisten sind männlich.

Ein bestimmter Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben, oft wird aber
das Abitur verlangt. Dass künftige Azubis einen Hang zur
Elektrotechnik haben und fit in Physik und Mathe sind, gilt in der
Branche als selbstverständlich. Die angehenden Fachkräfte lernen, wie
sie individuell für einen Kunden und im vorgegebenen Kostenrahmen
eine Veranstaltung technisch organisieren. Sie befassen sich mit
Scheinwerfern, Verstärkern und Kameras und erfahren, wie sie
ausgewählt werden.

Schütz findet es spannend, die Planung von «Rock im Park» mitgemacht
zu haben. Die Bands haben etwa oft konkrete Vorstellungen, welche
Scheinwerfer zum Einsatz kommen sollen. Im Büro wird dann geprüft,
welche einzelnen Teile am besten zusammenpassen und ob das Zubehör,
das die eine Band wünscht, auch bei anderen Bands verwendet werden
könnte. «Oft wird dann noch hin- und herverhandelt.»

Später geht es dann an die Feinarbeit. Am Computer fertigen
Veranstaltungstechniker Skizzen der Bühnen an, der technische
Materialbedarf wird ausgerechnet. Kurz vor Festival-Start fährt das
Team vor Ort: Dann heißt es: aufbauen und einleuchten. Es gibt Sound-
und Lichtchecks, auch die Übertragung via Videoleinwand wird geprüft.
Alles muss reibungslos funktionieren.

Die Ausbildungsvergütung ist regional, aber auch je nach Arbeitgeber
unterschiedlich. Nach einer VPLT-Studie verdienen Azubis zwischen 600
Euro im ersten und 740 Euro im dritten Ausbildungsjahr. «Je nach
Region und Tätigkeitsfeld im Unternehmen haben Fachkräfte ein
Monatsbruttogehalt inklusive aller Extras zwischen 2250 und 2800
Euro», sagt Greenlee. Die Ausbildungsvergütung und das Einkommen
können aber auch niedriger sein, Tarifverträge gibt es nicht.

Fertige Fachkräfte arbeiten etwa bei Technikdienstleistern, Rundfunk-
und Fernsehanstalten, Messebauunternehmen oder Theaterhäusern. «Die
Aussichten für eine Festanstellung sind gut», erklärt Greenlee. Viele
Veranstaltungstechniker sind auch freiberuflich tätig. Wer Karriere
machen möchte, kann eine Weiterbildung zum Meister für
Veranstaltungstechnik machen. Auch ein Studium ist möglich.

Auch Schütz kann sich vorstellen, eines Tages freiberuflich zu
arbeiten. «Dann ist die Abwechslung noch größer.» Erst einmal strebt
er nach der Ausbildung eine Festanstellung an, um Erfahrungen zu
sammeln. Und während seiner Ausbildung hat er schon festgestellt: «Es
macht einen irrsinnig stolz, wenn von Veranstalterseite ein dickes
Lob an die Technik kommt.»

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