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Zahl der Bedürftigen und Ausgaben steigen Von Amelie Richter

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Mehr Pflegebedürftige, mehr Ausgaben, mehr Personal:
Gesundheitsminister Hermann Gröhe zieht im aktuellen Pflegebericht
eine positive Bilanz. Kritik gibt es allerdings von einem Verband.

Berlin (dpa) – Deutschland wird immer älter. Das zeigt sich auch im
sechsten Pflegebericht des Gesundheitsministeriums, den das Kabinett
am Mittwoch in Berlin billigte. Er fasst zusammen, wie sich die
Situation von Pflegebedürftigen, ihren Angehörigen und dem
Pflegepersonal entwickelt. Die wichtigsten Fragen und Antworten im
Überblick:

Wie hat sich die Unterstützung von Pflegebedürftigen entwickelt?

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zieht im Pflegebericht eine
positive Bilanz: «Die Verbesserungen, die wir für Pflegebedürftige,
ihre Angehörigen und Pflegekräfte auf den Weg gebracht haben, kommen
an.» Ganz anders sieht das die Deutsche Stiftung Patientenschutz.
«Bei der Pflegestufe I ist das Pflegegeld von 1996 bis 2016 um 19
Prozent gestiegen. Gleichzeitig jedoch betrug die Inflationsrate 32
Prozent. Real bekommen die Pflegebedürftigen damit heute deutlich
weniger Geld als vor 20 Jahren», erklärt Verbandsvorstand Eugen
Brysch.

Wie hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen entwickelt?

Zwischen 2011 und 2015 stieg die Zahl der Menschen, die Leistungen
aus der sozialen Pflegeversicherung bekommen um rund 17 Prozent auf
etwa 2,7 Millionen Menschen. Davon wurden laut Pflegebericht rund 1,9
Millionen Menschen ambulant und rund 800 000 stationär gepflegt. Die
soziale Pflegeversicherung zahlte im vergangenen Jahr rund 26,6
Milliarden Euro aus – über ein Viertel mehr als noch 2011 (20,9
Milliarden Euro). So verdreifachten sich die Ausgaben, um Wohnraum
für Pflegebedürftige anzupassen. Im vergangenen Jahr wurden laut
Bericht knapp 305 Millionen Euro für Maßnahmen, wie beispielsweise
dem Einbau einer altersgerechten Dusche, ausgezahlt. 2011 waren es
rund 103 Millionen Euro.

Gibt es dann auch mehr Pfleger?

Zwischen 2003 und 2013 hat sich laut Bericht die Zahl der in der
Altenpflege Beschäftigten um etwa 40 Prozent erhöht. Derzeit arbeiten
demnach rund eine Million Menschen in diesem Wirtschaftszweig. Bei
den Auszubildenden zur Altenpflege habe es mit rund 68 000
Schülerinnen und Schüler im vergangenen Schuljahr sogar einen
Höchststand gegeben. Auch in der Langzeitpflege sei die Zahl der
Pfleger gestiegen: 2013 habe es im Vergleich zu 2011 etwa sechs
Prozent mehr Beschäftigte gegeben, die sich über einen längeren
Zeitraum um Pflegebedürftige kümmern. Die große Mehrzahl der
Beschäftigten ist weiblich.

Was ändert sich in der Pflege im kommenden Jahr?

Zum 1. Januar werden die Leistungen für Pflegebedürftige weiter
ausgebaut. Mit den Beitragserhöhungen der Pflegereformen I und II
stünden dann insgesamt gut fünf Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich
zur Verfügung, sagte Gröhe. 2017 tritt auch die zweite Stufe des
Pflegestärkungsgesetzes II in Kraft. Dabei ist der Kernpunkt ein
neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff, der Demenzkranken Anspruch auf die
gleichen Leistungen einräumt wie Menschen mit körperlichen
Beeinträchtigungen. Damit verbunden ist ein neues
Begutachtungsverfahren: Die bisherigen drei Pflegestufen werden
automatisch in fünf Pflegegrade übergeleitet.

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